Datenbanken für die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden; Datenlage in europäischen Ländern

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Artikel 2 – EU-Erfahrungen: Zentrale Gebäudedatenbanken in Dänemark, den Niederlanden und Frankreich

Die Erfassung von Energiekennwerten auf nationaler Ebene ist ein zentraler Bestandteil der europäischen Strategie zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden. Die EPBD, insbesondere Artikel 22, fordert die Einrichtung zentraler Systeme, um die Nachverfolgbarkeit, Vergleichbarkeit und Nutzung von Energiekennwerten sicherzustellen.

Dabei geht es nicht nur um die technische Speicherung von Daten, sondern auch um die strategische Nutzung: Kommunen, Eigentümer:innen, Hausverwaltungen und Unternehmen benötigen verlässliche Informationen, um energetische Schwachstellen zu identifizieren, Sanierungsmaßnahmen zu planen und Fördermittel effizient einzusetzen.

Die Erfahrungen anderer EU-Länder liefern wertvolle Einblicke in die praktische Umsetzung: Sie zeigen, welche Strukturen bereits etabliert sind, wie Daten zugänglich gemacht werden und welche Funktionen die Nutzung für unterschiedliche Akteur:innen erleichtern. Im Folgenden werden drei Länder vorgestellt, die unterschiedliche Ansätze verfolgen: Dänemark, die Niederlande und Frankreich.

Dänemark

Dänemark betreibt eine zentrale Datenbank, in der Energieausweise und Energiekennwerte systematisch erfasst werden. Das System unterstützt die Umsetzung von EPBD Artikel 22, indem es eine zentrale Speicherung und Nachverfolgbarkeit der Kennwerte ermöglicht.

Neben grundlegenden Angaben wie Energieverbrauch, Endenergiebedarf oder CO₂-Emissionen werden auch Informationen zu Gebäudetyp, Baujahr, Größe, technischer Ausstattung und Modernisierungsmaßnahmen dokumentiert. Insgesamt sind etwa 1,5 Millionen Gebäude erfasst, was einen signifikanten Anteil des Wohngebäudebestands darstellt und seit der Einführung kontinuierlich wächst.

Quelle: Metastudie zur Verbesserung der Datengrundlage im Gebäudebereich

Die Plattform ist über registrierte Nutzer:innen zugänglich und ermöglicht eine gezielte Bewertung von Gebäuden. Trends über Baujahre oder Gebäudetypen können erkannt, Schwachstellen identifiziert und energetische Maßnahmen priorisiert werden.

Digitale Schnittstellen erleichtern die Nutzung der Daten für Analysen, Reporting oder Sanierungsplanung durch Kommunen, Hausverwaltungen und Planungsbüros.

Quelle: BPIE-Studie zu Gebäudedatenbanken in Europa

Niederlande

Die Niederlande nutzen eine zentrale Plattform für Energieausweise, die sowohl Fachkreisen als auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Aktuell sind dort über 2,8 Millionen Gebäude erfasst, was einen deutlichen Anteil am gesamten nationalen Gebäude­bestand darstellt.

Quelle: CBS Statistik Niederlande

Das System sammelt standardisierte Daten zu Endenergiebedarf, Primärenergie, CO₂-Emissionen, Energieverbrauch, Gebäudetyp, Baujahr, Wohn- oder Nutzfläche, Heizsystemen, Dämmung, Inspektionsdaten und Modernisierungsmaßnahmen.

Registrierte Nutzer:innen können gezielt nach einzelnen Gebäuden oder Gruppen suchen und die Energiekennwerte analysieren. Schnittstellen erlauben die Nutzung der Daten für Berichte, strategische Planung oder Sanierungsmaßnahmen.

Die standardisierte Erfassung unterstützt Vergleichbarkeit, Transparenz und Analysefähigkeit – sowohl auf Gebäudeebene als auch auf regionaler Ebene.

Quelle: Initiative Praxispfad – Studie zur Energieeffizienzstrategie

Die niederländische Plattform erleichtert die interdisziplinäre Nutzung der Daten: Kommunen können Flächen mit hohem Energiebedarf erkennen, Hausverwaltungen ihre Bestände analysieren, und Projektentwickler:innen erhalten eine solide Grundlage für strategische Entscheidungen.

Auch die Aggregation auf regionaler oder nationaler Ebene unterstützt Förderprogramme und die Steuerung von Sanierungsaktivitäten.

Frankreich

Frankreich setzt auf öffentliche Bereitstellung von Gebäudedaten. Das Digitalisierungsgesetz („Loi pour une République numérique“) von 2016 legte den rechtlichen Rahmen für die Nutzung und Offenlegung öffentlicher Daten fest.

In diesem Kontext wurde die nationale Gebäudedatenbank BDNB (Base de Données Nationale des Bâtiments) aufgebaut, betrieben vom Centre Scientifique et Technique du Bâtiment (CSTB).

Die BDNB erfasst umfangreiche Angaben zu Gebäuden, darunter Energiekennwerte aus Energieausweisen (DPE), Baujahr, Gebäudetyp, Flächenangaben, Heiz- und Lüftungssysteme sowie Modernisierungsmaßnahmen.

Über 32 Millionen von rund 46 Millionen Gebäuden sind registriert, was einem Anteil von rund 70 % des gesamten Gebäudebestands entspricht.

Quelle: CSTB – National Buildings Database

Die Datenbank ist öffentlich zugänglich über das CSTB-Portal und das französische Open-Data-Portal data.gouv.fr.

Über die Plattform GO-Rénove können Nutzer:innen Energiekennwerte gezielt einsehen und analysieren.

Dieses System erhöht die Transparenz und Vergleichbarkeit im Gebäudesektor deutlich und unterstützt die Umsetzung von EPBD Artikel 22.

Frankreich zeigt exemplarisch, wie gesetzliche Rahmenbedingungen, frühzeitige Digitalisierung und öffentliche Zugänglichkeit kombiniert werden können, um eine umfassende, standardisierte und nutzbare Datenbasis zu schaffen.

Die Beispiele aus Dänemark, den Niederlanden und Frankreich verdeutlichen, dass zentrale Datenbanken die Transparenz, Vergleichbarkeit und Analysefähigkeit von Energiekennwerten erheblich verbessern können.

Unterschiedliche Ansätze – von registrierten Zugängen und Schnittstellen bis zu offenen, öffentlich zugänglichen Plattformen – bieten praktische Einblicke in die Umsetzung von EPBD-Anforderungen.

Diese Erfahrungen bilden die Grundlage für den nächsten Artikel, in dem die Datenlage in Deutschland und Europa untersucht wird. Dort wird aufgezeigt, welche Daten bereits vorliegen, wie sie strukturiert sind und welche Unterschiede zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweisen bestehen.

Die Erkenntnisse aus Dänemark, den Niederlanden und Frankreich dienen als Vergleichsmaßstab für mögliche Strategien zur Optimierung zentraler Datensysteme.

EU-Erfahrungen mit Gebäudedatenbanken – Dänemark, Niederlande und Frankreich