Datenlage in Deutschland und Europa: Welche Gebäudedaten liegen vor?
Die Situation auf europäischer Ebene zeigt erhebliche Unterschiede in der Struktur, Vollständigkeit und Zugänglichkeit der Daten. Einige Länder wie Frankreich und die Niederlande haben frühzeitig umfassende digitale Plattformen aufgebaut, während andere Staaten, darunter Deutschland, noch fragmentierte Systeme betreiben.
Datenquellen in Deutschland
In Deutschland ist die Datenlage zu Energiekennwerten von Gebäuden nach wie vor stark fragmentiert. Die vorhandenen Informationen werden über verschiedene Akteurinnen und Institutionen gesammelt, liegen aber oft nicht zentral und nicht digital vor. Die wichtigsten Quellen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Kommunen: Sie besitzen Bauakten, Flur- und Katasterdaten, teilweise ergänzt durch energetische Bewertungen aus kommunalen Projekten. Diese Bauakten enthalten Angaben zu Baujahr, Gebäudetyp, Flächen und Heizsystemen. Allerdings werden die Unterlagen häufig bei Sanierungen nicht aktualisiert, sodass der tatsächliche energetische Zustand vieler Gebäude unvollständig dokumentiert ist.
- Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger: Sie erfassen Daten zu Heizungsanlagen, Brennstoffart, Abgaswerten und teilweise zu Energiekennwerten im Rahmen gesetzlicher Prüfpflichten. Die Informationen sind regional gebunden und werden zwar teilweise digital erfasst, aber nicht systematisch zentralisiert.
- Energieausweise und Zertifizierungen: Energieausweise liefern Angaben zu Endenergiebedarf, Primärenergieverbrauch, Dämmstand und Heizsystemen. Sie werden dezentral von Architektinnen, Ingenieurinnen oder Energieberaterinnen ausgestellt. Zwar erhalten die Ausweise eine zentrale Nummer, die tatsächlichen Daten werden jedoch nicht standardmäßig zentral gespeichert, sondern nur stichprobenhaft überprüft, sodass eine umfassende Nutzung zur Analyse des gesamten Gebäudebestands derzeit nicht möglich ist.
- Landes- und Bundesstellen: Verschiedene Bundesländer führen eigene Register für bestimmte Gebäudekategorien, etwa staatlich geförderte Wohngebäude oder Klimaschutzprogramme. Auf Bundesebene werden Daten aus kommunalen Meldungen, Energieausweisen oder Steuerunterlagen aggregiert, jedoch bleibt die Informationsbasis häufig unvollständig und heterogen, was Vergleichbarkeit und Analyse erschwert.
Insgesamt zeigt sich, dass die Daten zwar grundsätzlich für die Umsetzung von EPBD Artikel 22 vorhanden sind, sie jedoch fragmentiert, teilweise analog und nur eingeschränkt nutzbar vorliegen. Die Kombination aus nicht aktualisierten Bauakten, dezentralen Energieausweisen und heterogenen Landes- und Bundesdaten erschwert eine flächendeckende Analyse. Gleichzeitig bilden diese verstreuten Quellen die Grundlage für künftige Maßnahmen zur Digitalisierung, Standardisierung und zentralen Erfassung, die notwendig sind, um langfristig bundesweit verlässliche Analysen und strategische Entscheidungen zu ermöglichen.
Deutschland im europäischen Vergleich
Deutschland weist im Vergleich zu einigen europäischen Nachbarländern eine fragmentierte Datenlage auf. Länder wie Frankreich oder die Niederlande haben frühzeitig zentrale, digitalisierte und teils öffentlich zugängliche Plattformen aufgebaut, während deutsche Daten noch vielfach dezentral und analog vorliegen.
In Frankreich deckt die BDNB-Datenbank rund 70 Prozent des gesamten Gebäudebestands ab und ist für Forschung, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürger zugänglich
(CSTB).
In den Niederlanden sind bereits über 2,8 Millionen Gebäude in einer zentralen Plattform registriert
(CBS-Statistik).
Dänemark erfasst einen signifikanten Anteil der Wohngebäude und nutzt die Daten sowohl für kommunale als auch nationale Analysen
(BPIE-Studie Dänemark).
Deutschland verfügt zwar über eine umfangreiche Datenbasis, diese ist jedoch fragmentiert, regional unterschiedlich digitalisiert und nicht flächendeckend zentralisiert. Bauakten bei den Kommunen werden oft nicht bei Sanierungen aktualisiert, Energieausweise werden dezentral erstellt und nur stichprobenhaft geprüft, und landes- oder bundesweite Register existieren bislang nur für Teilbestände. Dies erschwert die transparente Analyse, Vergleichbarkeit und strategische Nutzung der Daten.
Dennoch gibt es Ansatzpunkte, die das deutsche System perspektivisch stärken könnten. Digitalisierung und Standardisierung sind zentrale Hebel: Wenn Bauakten systematisch aktualisiert und Energieausweisdaten zentral gespeichert würden, könnten bestehende Lücken geschlossen werden. Pilotprojekte und Forschungsinitiativen bieten die Möglichkeit, Prozesse zu testen und schrittweise bundesweite Strukturen aufzubauen.
Durch die Kombination aus dezentralen Quellen, Digitalisierung und standardisierten Schnittstellen ließe sich langfristig eine umfassende, zentrale Datenbasis schaffen, die die Anforderungen der EPBD effektiv unterstützt.
Der europäische Vergleich zeigt, dass ein zentralisiertes und digital zugängliches System nicht nur die Transparenz erhöht, sondern auch die Planung und Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen, die Steuerung von Förderprogrammen und die strategische Energiewende im Gebäudesektor erleichtert.
Deutschland hat bereits die Grundlage, auf der sich eine vergleichbare Dateninfrastruktur aufbauen lässt, der Schlüssel liegt in koordinierten Maßnahmen zur Zentralisierung, Digitalisierung und Standardisierung der bestehenden Quellen.
Die Analyse der Datenlage in Deutschland im europäischen Kontext bildet die Grundlage für den nächsten Artikel. Dort wird untersucht, welche Daten bereits digital verfügbar sind, wie sie strukturiert werden und welche Unterschiede zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweisen bestehen.
Auf Basis dieser Erkenntnisse lassen sich Strategien zur Optimierung und Harmonisierung zentraler Gebäudedatenbanken ableiten.





